Anlass war die Vernissage von Schülerinnen und Schülern der Kunst-AG an der Tom-Mutters-Schule, die mit ihren Pädagoginnen Ricarda Luksza und Evelyn Sauter das Projekt „Auf den Punkt gebracht“ erarbeitet hatten.
Nahezu alle Schüler der Schule waren mit Betreuern und Pädagogen gekommen, um diese Premiere mitzuerleben, unter den Gästen auch Andreas Böhler vom Vor- stand der Lebenshilfe, David Schloz von der Geschäftsleitung und Bürgermeister Ludwig Sauer. Schulleiter Michael Steinhauser freute sich mit Konrektor Martin Dietrich, dass ihren Schülern und dem „Punkt“ so viel Aufmerksamkeit geschenkt werde, passend dazu flogen tausende Seifenblasen über die Köpfe der Anwesenden.
Mut und Selbstermächtigung
Die Arbeiten der acht Schülerinnen und Schüler knüpfen an eine zentrale Erkenntnis der modernen Kunst an; künstlerischer Ausdruck entsteht nicht aus Perfektion, sondern aus Mut und Selbstermächtigung, wie in einem Flyer zu lesen ist. „So unterschiedlich die Persönlichkeiten der SchülerInnen sind, so vielfältig sind ihre Ideen, Vorlieben und Ausdrucksformen“, erläuterte Pädagogin Evelyn Sauter. Der Punkt erscheint als wiederkehrendes Symbol und steht nie allein. Viele kleine Punkte ergeben am Ende etwas ganz Großes. Diese Kunstrichtung des Pointillismus wurde unter anderem durch die Maler Georges Seurat und Paul Signac und ihre Werke bekannt gemacht. Das Gleiche hoffen jetzt auch die Kinder, die ihre Exponate bis Freitag, 8. Mai, in der Galerie Vivere Arte ausstellen dürfen. Für Galeristin Barbara Mancini war es eine Herzensangelegenheit, den Kindern diesen Wunsch zu erfüllen. „Wenn ich die Freude der Kinder erlebe, ist das ein großer Moment für mich. Durch die zentrale Lage der Galerie hoffe ich, dass viele BürgerInnen die Werke besichtigen werden“, so Mancini.
„Reduktion ist kein Mangel“
Die Werke selbst könnten unterschiedlicher nicht sein. Es wurden Collagen gefertigt, ebenso wie Aquarelle oder Bilder mit Ölkreide. „Es wurde gespritzt, geklebt, gedruckt, ausgespart, ausgeschnitten oder noch in die nasse Farbe gedrückt. So sind vielfältige Strukturen, Spuren und Oberflächen entstanden, die jedes Werk einzigartig machen. Die passenden Rahmen wurden im Vorfeld auf Speichern, Kellern oder von Lehrern der Schule beigesteuert und wurden in die Malerei integriert. Kunst ist eine universelle Sprache, die jeder fühlen und auf seine eigene Weise verstehen kann“, so Evelyn Sauter. Die Kunstwerke der SchülerInnen zeigen, dass „Reduktion kein Mangel ist, sondern eine Konzentration auf das Wesentliche. Jeder Punkt steht für eine Entscheidung, jede Farbe für ein Gefühl, jede Komposition für einen individuellen Blick auf die Welt. Die Arbeiten entziehen sich bewusst akademischen Normen und entfalten gerade dadurch eine eindringliche Authentizität.“
Kunstpädagogin Ricarda Luksza ergänzt, dass die Schüler ruhig und konzentriert gearbeitet haben. Auch Malen nach Musik, die unterschiedlichen Materialien wie Tempera, Ölpastellkreide, Wasserfarben oder „Blattgold“ auf nasser Farbe hatten die „jungen Künstler“ motiviert, außergewöhnliche Kunstwerke zu schaffen. Als Höhepunkt werden die Exponate beim Schulfest (Sonntag, 10. Mai) versteigert. Der Anreiz, ein solches Bild zu besitzen, ist groß, denn schon bei der Vernissage wurden einige Bilder mit einem „roten“ Punkt versehen. Wenn das kein gutes Omen ist. (chs)

